Der Industrial Möbelstil und seine Merkmale
Was den Industrial Möbelstil ausmacht und wie er sich entwickelt hat.

Unter dem Industrial Stil verstehen wir heute ein Interior das geprägt ist durch grobe Strukturen, glatte Oberflächen und viel Metall. Dieses wird in der Regel für Möbel verwendet, welche aussehen, als ob sie aus einer Fabrikhalle der Jahrhundertwende stammen würden. Die Möbel sind einfacher und geradliniger Natur. Das verwendete Metall der Möbel ist häufig schwarz, blank oder sogar leicht gerostet. Ein gern verwendeter Stoff im Industrial ist Glattleder in dunklen Nuancen – meist Brauntönen.


Ursprung und Entwicklung

Der Industrial Möbelstil hat seinen Ursprung in den USA und Großbritannien und kam so nach Deutschland. Er zeichnet sich durch Möbel mit Used-Effekten aus, die überwiegend aus Stahl, Blech oder Metall bestehen. Möbel aus alten Industriebetrieben aus den 1920-50er Jahren, aus Holz und Metall werden gern genommen und dann „umfunktioniert“, z. B. eine Werkbank als Bürotisch.

Das heutige Industrial hat mit Originalmöbeln nicht mehr viel zu tun. Die meisten Stücke werden von den Herstellern absichtlich in diesem Stil gebaut und künstlich entsprechend gealtert.

Wesentliche Merkmale des Möbelstils

Bei den Sitzmöbeln, wie Sessel und Couches, sind die Optiken im Industrial Stil entweder hochmodern und schwarz, grau, oder aus derbem Leder (meist braunes Leder z. T. mit Sichtnähten) oder wie oben bereits erwähnt Originalstücke mit Used-Effekten. Gut passen eher eckige Möbelstücke. Derbe gebrauchte Holzoptiken wie z. B. Möbel aus Paletten können das auch sein.


Wände des Stils bleiben meist unverputzt oder werden mit Mauerwerkoptik nachempfunden. Als Leuchten werden einzelne Fassungskabel mit einem E27-Gewinde und einer Glühfadenbirne (nur noch neu mit LED erhältlich) aufgehängt – oft ist ein zu langes Kabel dann auch leger „geknotet“. Das Licht imitiert das gold-rote Licht der ersten Glühlampen um die Jahrhundertwende und sorgt für eine gemütliche Atmosphäre.

Das Start-Up Very Simple Kitchen aus Italien stellt Küchen im Industrial Möbelstil her.

Wohnlich wird Industrial mit großmaschigen Teppichen, mit Kunstfell und Kissen, z. B. mit alten Briefmarken, Zeitungsausschnitten, Brückenmotiven oder auch Zitaten bedruckt.

Je improvisierter das Ganze aussieht desto besser. Industrial macht sich besonders in Altbauten gut bzw. in Räumen mit hohen Decken und Fenstern, da so erst ein richtiges Fabrikhallenflair entsteht.
Christine HillerLichtexpertin auf Houzz & HQ Designs

Vorhänge entfallen bei einem richtigen Industrial Stil. Echte Used-Wohnaccessoires wie z. B. alte (Farb-) Blechdosen als Stifthalter, schwarzweiß Bilder an der Wand, einer alte Waage und alte Gewichte, Zahnräder und alte Wecker als Deko u. ä. runden den Stil ab. Upcycling ist hier eine gängige Methode, um stilecht alte Gegenstände vor allem aus Fabriken in Szene zu setzen.

Grundfarben sind hier eher schwarz-grau Töne, maximal mit einer weiteren Farbe in gedecktem Ton, z. B. senfgelb, petrol, orange oder auch hellblau mit Hang zu einer rauchigen Nuance. Wer Cognac als Grundfarbe für seine Couch wählt, für den empfiehlt sich von den Farben her auf verwandte Töne zu gehen, wie z. B. ein dunkles Rot, Orange, auch Beige bietet sich an.


Wenn Muster, dann werden geometrische Muster der Jahrhundertwende verwendet, wie z. B. Schachbrett oder auch nur Linien. Im heutigen Industrial kann aber durchaus auch ein Hexagonal oder Rautenmuster dabei sein. Böden werden entweder nur gestrichen und versiegelt oder mit Vinyl ausgelegt, oftmals dann was dunkles oder graues, ohne viel Muster. Auf bearbeitete Holzflächen wird üblich verzichtet.

Unternehmen, die sich dem Industrial Stil angenommen haben, sind z. B. Light & Living mit mehreren Leuchtenserien, Tommy M, die wir auf der Imm Cologne 2019 getroffen haben, oder Very Simple Kitchen.


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