Sozio-ökonomische Trends für das Wohnen in 2021

Sozio-ökonomische Trends für das Wohnen in 2021

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit diversen sozio-ökonomischen Trends, die das Wohnen in 2021 und der Zukunft beeinflussen werden. Unter sozio-ökonomisch versteht man im Allgemeinen das wirtschaftliche Handeln in seinem sozialen Zusammenhang und dies mit der jeweiligen Beziehung zu den anderen gesellschaftlichen, politischen, demographischen, ökologischen und räumlichen Prozessen. Die demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sind es auch, die Städteplaner und Architekten in dem dicht bevölkerten Deutschland herausfordern.


Hier sind 46,5 % der Immobilien in Eigenbestand. Damit leben etwas über Hälfte der Bevölkerung in einem Mietverhältnis. Wenn man in Betracht zieht, dass ein Mietverhältnis im Schnitt 8 Jahre dauert, dann besteht die Herausforderung von Herstellern und der Interiorbranche, darin für das Wohnen in 2021 möglichst zeitlose, modulare Konzepte anzubieten, die sich flexibel handhaben lassen, z.B. nachträglich erweiterbare oder reduzierbar Schranksysteme, kompakte Sofas, die sich individuell anpassen lassen, oder auch Küchen, die auf relativ geringer Fläche individuell eingefügt werden können. Auch Möbel, die problemlos umgezogen werden können, werden künftig mehr und mehr im Fokus der Käufer stehen.

Eine Anmerkung vorab: Wir betrachten hier nicht jene Kunden aus unteren bis mittleren Einkommen, z.B. im Umfeld von sozialen Brennpunkten, sondern eher jenen, derer persönliche und finanzielle Situation gefestigt und etablierbar ist. Für Personen aus diesen Gesellschaftsschichten sind es lebensbestimmende Themen, die sie bei der Wohnungswahl und dem Interior beeinflussen: eine Arbeitsstelle, die Familie, kostenlose Kitas/Schulen und Nahrung.

In der Regel lebt ein Mensch bis zu seinem Erwachsenenalter in einer Familie, die in einem Haus oder einer Wohnung lebt. Später zieht es sie in die Eigenständigkeit und je nach Berufswahl und familiärer oder sozialer Bindungen wird dann der Wohnort etabliert. Dann lebt man oftmals auch mit einem Partner zusammen, mit dem ein Kompromiss in Sachen Wohnlage, Wohnung oder Haus gefunden werden muss. Findet die Suche nach einem geeigneten Wohnort in jungen Jahren oft in städtischen Ballungsgebieten statt so ändert sich dies häufig dann, wenn einige der Menschen sich zu Familien mit Kindern entwickeln. Spätestens dann kommen auch Häuser und ländlichere Regionen in Frage, um dem Nachwuchs den Freiraum und die Geborgenheit einer Kleinstadt zu bieten. Mit dem Alter dann, wenn die Kinder sprichwörtlich aus dem Haus sind, zieht es die älteren Generationen wieder zur überschaubaren Mietwohnung oder besseren Infrastruktur, für den Fall, dass man Mobilität einbüßt, von Pflegekräften abhängig wird, oder auch nur, um die Services die eine Stadt bringt nutzen zu können. Gerade dieses Thema wird das Wohnen in 2021 und sicher auch Jahre darüber hinaus die Stadtplaner beschäftigen.

Eben bei jener älteren Generation werden deutliche Zuwächse im Mieteigentum oder Mietverhältnis zu leben verzeichnet. Sie legt auch Wert auf Qualität. Denn wer will mit über 60 nochmal losziehen und Möbel einkaufen bzw. sie zu Hause auch noch aufbauen. Es wird deutlich, dass in diesem Segment die Services um den Möbelkauf eine verstärkte Rolle spielen. Oder Wohnkonzepte inklusiv Möbeln angeboten werden. Bei den Architekten und Interior Designern müssen also die Bedürfnisse der Zielgruppe künftig noch viel stärker im Fokus stehen, um erfolgreich zu operieren. Oder es muss ein Weg gefunden werden, wie unterschiedliche Budgets und Anforderungen an eine Immobilie oder Möbelstück in Einklang gebracht werden können. Zum Beispiel Modularität und Flexibilität bei guter Qualität.

Für einen Studenten hingegen, die im Schnitt nur 3-5 Jahre in in einer Mietwohnung wohnen, ist dieser Punkt eher untergeordnet, bei der Wohnungssuche. Für sie sind in der Regel die Infrastruktur und die Nähe zum Campus relevant. Rund 14% wohnen zudem bereits heute in Wohngemeinschaften. Wie die Wohnung im Allgemeinen innen oder außen aussieht, ist für sie nur bedingt beeinflussbar. Da aber gerade diese Generation für aktuelle Strömungen wie Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeitstrends und DIY hier besonders offen ist, sind auch sie verstärkt auf der Suche nach Möbeln, die problemlos umziehen können. Wohnen in 2021 wird sicher auch durch diesen sozio-ökonomischen Trend geprägt sein.


Die „middle ages“ und die ältere Generation legen zu dem Wert auf die Lage und Außenwirkung der Wohnung. Infrastruktur und Nähe zu Bekannten oder zu Läden und kulturellen Einrichtungen spielen hier ebenfalls eine Rolle. Das Prestige, das eine Immobilie vermittelt, spielt nicht nur in den vier Wänden eine Rolle, sondern auch die Wohnung, das Haus. Die Lage muss zum Mieter und dessen gesellschaftlicher Stellung passen. Frei nach dem Motto „Zeig mir wie du wohnst und ich sag dir wer du bist“.

Betrachten wir nun einmal die Entwicklung der Wohnkonzepte in Deutschland. Bereits seit einigen Jahren etablieren sich hier verschiedene ähnlich gelagerte Wohntrend-Konzepte. Es sind Mikro-Apartments und sogenannte Serviced Apartments, die besonders in den größeren Städten einen starken Anstieg verzeichnen. Letztere legen ihren Fokus bewusst auf das temporäre und möblierte Wohnen mit Zusatzoptionen, ähnlich einem Hotelambiente. Wohnen auf Zeit, Zuhause auf Zeit und Langzeitmiete sind Begriffe, für die für dieses Konzept stehen. Der Aspekt der zeitlichen Flexibilität und der Bequemlichkeit ist vielen Gästen von „Serviced Apartments“ besonders wichtig. Oftmals sind es Projektmitarbeiter, Berufsstarter oder Monteure, die kurzfristig für längere Zeit eine Bleibe brauchen und die Zeit zur Wohnungssuche nicht haben. Diese „Serviced Apartments“ sind meist für 1-2 Personen ausgelegt und bieten unterschiedliche Leistungen an, von der integrierten Küchenzeile, über ein Frühstücksangebot, bis hin zum Reinigungsservice im Haus. Auch spielen hier die Lage und die Verkehrsanbindung eine Rolle.

Bei Mikro-Apartments denken viele zunächst ans studentische Wohnen, doch das ist längst nicht mehr so. Der Nischenmarkt der kleinen möblierten Apartments wächst unaufhaltsam und hat längst nicht mehr nur die Studierenden als Zielgruppe. Mikro-Apartments sind zu einer eigenen Immobilienklasse geworden. Aufgrund der vielfältigen Varianten und der unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Märkte existiert für den Begriff keine standardisierte Definition. Im deutschsprachigen Raum versteht man darunter eine kleinteilige möblierte Wohnform mit in der Regel ein bis zwei Räumen und einer Größe von circa 18 bis max. 40 qm². Es handelt sich meist um speziell angefertigte 1-Zimmer-Wohnungen in urbaner Lage, deren Ausstattung höchst effizient gestaltet wird, um sie größer wirken zu lassen. Je kleiner die Wohnfläche, desto größer ist natürlich die Herausforderung für Architekten und Interior Designer, auf kleinem Raum ein richtiges Zuhause zu schaffen, dass nicht dem Grundriss des klassischen Hotelzimmers ähnelt.

Viele Mikro-Apartments arbeiten mit maßgefertigten Einbauten und multifunktionalen Möbeln, z.B. Schrankbetten, verdeckten Küchenzeilen oder Homeoffice-Lösungen, um zusätzlichen Stauraum zu schaffen. Weiterhin besitzen diese Apartments häufig höhere Decken und größere Fenster. Für Bad & Küche werden oftmals knapp 7 qm² veranschlagt. Es ist also eine komplette Wohnung auf kleinem Raum. Im studentischen Segment werden die Küchen, Bäder oder Wohnräume gemeinsam genutzt. Bei neuen Wohnbauten dieser Art gibt es bewusst eine große Gemeinschaftsküche und weitere Sozialräume zur Interaktion der Bewohner – oft unter dem Begriff „Co-Living“ vermarktet.

Hintergrund dieses großen Trends sind zum einen die Tendenzen, dass die Altersgruppen von 18 bis ca. 29 Jahren gerne in der Großstadt leben, da sie dort studieren oder eine Ausbildung machen und erste Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Aber auch für Pendler ist das „Micro Living“ eine gute Alternative dem täglichen Stress auf der Straße zu entgehen. Die günstigen Mietpreise solcher Angebote, ermöglichen einen zweiten Wohnsitz für die Arbeit unter der Woche. Am Wochenende findet das soziale Leben dann wieder Zuhause außerhalb der Stadt statt.

Wir gehen beim Wohnen in 2021 sogar noch einen Schritt weiter und behaupten, dass Stadtbewohner im Alter solche Wohnkonzepte suchen werden. Findige Bauunternehmer denken bereits jetzt daran z.B. barrierefreie Wohnungen mit der im Alter sehr wichtigen sozialen Anbindung in Gemeinschaftsräumen umzusetzen, z.B. Stockwerkeweise Gemeinschaftsräume, wie Kinoraum oder Leseecken, eine große Küche für gemeinsames oder getrenntes Kochen, mit persönlichen Schränken pro Mieter. Auch Gartenanteile oder Hobby- und Fitness- oder Yogaraum stellen für diese Altersgruppe Anreize dar.

So kommt man ganz automatisch zu unserem nächsten Trend: den generationsübergreifenden oder auch interkultureller Konzepten. Dabei geht es wie der Name schon sagt, um Wohnhäuser oder Wohnkomplexe, die unterschiedliche Generationen und ethnische Gruppen verbinden sollen. Wohnkomplexe für Familien befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Wohnkomplexen für die ältere Generation, so dass man von der gegenseitigen Nähe und dem Miteinander profitiert. Beispiele hierfür sind: Hilfe bei Kinderbetreuung, Einkäufe, Fahrdienste, Car-Sharing oder auch ganz profan der Erfahrungsaustausch und praktische Hilfe des gemeinschaftlichen Wohnkonzept mit größtmöglicher Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Gerade in Städten mit größeren Altbauflächen würden sich solche Konzepte anbieten. Man kann auf geringer Stockwerksanzahl im Altbaubestand agieren, durch Innenhöfe und Grünflächen entstehen Rückzugsorte und Plätze, die die CO² Bilanz der Stadt verbessern und den Lebensstandard deutlich anheben. Für Neubauflächen in stadtnahen oder ländlichen Regionen ist dieses Konzept genauso denkbar.

Die Tendenzen mit steigendem Alter das eigene Haus gegen eine Eigentumswohnung oder ein Apartment mit Betreuung bzw. „Familienanbindung“ zu tauschen sind deutlich erkennbar. Liegt die Quote bei den bis 49 Jährigen noch bei 6% so sind es bei den über 69 Jährigen bereits nahezu 10%. Positiver Nebenaspekt solcher Konzepte, ist der in Summe geringere Platzbedarf, da einige Räumlichkeiten zusammengefasst werden. Außerdem stärkt ein solches Konzept den Gruppengedanken, die Sozialisierung, der in Hochhausburgen mit teils über 200 eigenständigen Parteien schnell verloren geht. Über die Probleme, die solche Viertel schaffen, könnte man Bücher füllen. Es muss darum gehen im Wohnen 2021 und darüber hinaus Gemeinschaften zu schaffen, z.B. um wegfallende Familienbande zu ersetzen. Neue kompakte Möbel und Bauweisen schaffen zudem, dass für Neubauten weniger wertvolle Fläche rund um Großstädte benötigt wird.

Man sieht, es gibt nicht mehr nur das traditionelle Wohnkonzept im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung. Mehr und mehr sind auch Konzepte gefragt, die flexibel auf Bedürfnisse agieren können, dies gilt sowohl im Interior als auch in der Baubranche.

Die Herausforderung für Bauentwickler, Architekten, Interiordesigner und Hersteller besteht darin, für diese Anforderungen Produkte zu entwickeln und herzustellen. Einhergehend sind hier nun einige Themen unter gegangen über die man sicher auch noch hätte schreiben können, wie z.B. weniger Bedarf an großen ausladenden Möbeln, weniger Bedarf generell an Einrichtungshäusern, da in den Wohntrends auf kleinen Flächen häufig bereits Möbel eingebaut und platziert sind. Oder das Thema Qualität, Ökologie und Nachhaltigkeit, welches bei den genannten Wohnkonzepten auch eine wichtige Rolle spielt. Der Besitzer einer Serviced Apartmentanlage hat ja vermutlich nicht vor, alle zwei Jahre seine Zimmer wegen Abnutzung zu renovieren. Da gilt es langlebige Designs zu entwickeln und ressourcenschonende nachhaltige Produktion dieser, ist ein weiteres Verkaufsargument.

Denn gerade auch dieses Thema spielt in den letzten Jahren sehr häufig eine Rolle bei Kaufentscheidungen. Gemäß der Umweltbewusstseinsstudie der Bundesregierung 2018 sehen über 64 % der deutschen Bevölkerung den Umwelt- und Klimaschutz als eine sehr wichtige Herausforderung. Gerade Produktlösungen, die sich mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigen, sind für das Wohnen 2021 ein starker Trend.

Ein weiterer Aspekt auf der Heimtextil 2020 waren Firmen deren Produkte komplett aus Naturmaterialien bestehen.

Ein weiterer Aspekt auf der Heimtextil 2020 waren Firmen deren Produkte komplett aus Naturmaterialien bestehen.

Für uns besteht genau hier ein Ansatz der Zukunft für Hersteller und den Interior Designern. Es braucht wieder verstärkt langlebige, nachhaltig und ökologische Möbel und Interiorstücke. Damit auch Wohnen nicht nur schön, sondern auch nachhaltig und damit gesund wird. Ebenso liegt es an den Städteplanern und Architekten clevere Wohnkonzepte zu entwerfen, die zum einen platzsparend sind und zum anderen Zusatznutzen, wie Gemeinschaftsräume oder Grünanlagen für eine bessere CO² Bilanz des Viertels bringen.


Ziel für alle Hersteller und Designer muss es sein, keinen kurzlebigen „Müll“ mehr zu produzieren und das im Sinne des Wortes. Eine Mammutaufgabe, sicher. Aber je mehr solche Produkte am Start sind, desto mehr Menschen werden sie nutzen. Das besagt zumindest auch die Tendenz der o.g. Umweltstudie. Klar ist aber auch: Weder der Einzelne, noch der Designer oder der Hersteller oder die Politik wird dieses Problem lösen: Das geht nur gemeinsam.

Wenn wir Ihr Interesse am Wohnen in 2021 und Farb- und Möbeltrends 2021/2022 wecken konnten, dann werfen Sie doch einen Blick in unser aktuelles E-Book „Interior Trends 2021/2022“.

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